Schneelast bei Gartenhäuser

Schnee kann wunderschön sein – wenn er nicht zufällig genau in der Garageneinfahrt oder auf dem Gehsteig vor der heimischen Oase liegt und weggeschaufelt werden muss. Auf den ersten Blick sieht das himmlische Weiß zwar aus, wie leichte bauschige Watte, aber man merkt schnell, dass der Anblick täuscht. Das Gewicht vom Schnee wirkt sowohl auf dem Hausdach, aber auch auf der Terrassenüberdachung, Gartenhaus, Carport oder Holzgarage als beschwerliche Last. Die Tragwerke (Bauten) rauchen eine gute Statik, um die Last zu tragen. Nachfolgen zeigen wir auf, was die Schneelast ist und wie berechnet bzw. abgeschätzt werden kann. Ebenso zeigen wir, welche Schneelastzonen es gibt und in welchem Ihr Garten liegt. Außerdem erklären wir, wann ein Dach von seiner Schneelast unbedingt befreit werden sollte.

Was ist eigentlich Schnee?

Schnee – kennt doch jeder… aber, was ist Schnee genau? Schnee besteht aus Eiskristallen. Schnee bildet sich, weil in den Wolken feine unterkühlte Wassertropfen auf Staubteile treffen, sich dort anlagern und gefrieren. Die Staubteilchen wirken dabei als sogenannte Kristallisationskeime. Dieser Prozess setzt erst bei Temperaturen von unter minus 12 Grad Celsius ein. Wasser ohne solche Kristallisationskeime kann sogar bei bis zu minus 48 Grad Celsius flüssig bleiben. Die sich bildenden Eiskristalle sind weniger als ein Zehntel Millimeter (< 0,1 mm) groß bzw. klein. Sie fallen nach unten und wachsen dabei wegen des unterschiedlichen Dampfdrucks von Eis und unterkühltem Wasser. Zudem resublimiert der Wasserdampf in der Luft, d.h., dass er direkt vom gasförmigen in den festen Zustand (also Eis) wechselt und so die Schneekristalle seinerseits wachsen lässt. Dabei werden die entstehenden sechseckig geformten Schneekristalle immer schwerer.

Je nachdem, wie kalt es ist, entstehen übrigens unterschiedlich geformte Schneeflocken: Bei tieferen Temperaturen bilden sich sogenannte Plättchen und Prismen, bei höheren Temperaturen entstehen sechsarmige Sterne (sogenannte Dendriten). Liegt die Lufttemperatur um den Gefrierpunkt, verkleben kleine Wassertropfen die einzelnen Eiskristalle und es entstehen bauschige Schneeflocken.

Wie schwer kann Schnee auf einem Gartenhaus werden?

Eine Schneeflocke hat im Schnitt einen Durchmesse von ca. 5 Millimetern (= 5 mm) und wiegt etwa vier tausendstel Gramm (= 4 mg). Mit steigender Temperatur werden die Schneeflocken immer größer, weil die Eiskristalle schmelzen und dabei zu großen Flocken verkleben. Laut dem Guinness-Buche der Rekorde soll die größte je gesehene Schneeflocke sogar einen Durchmesser von 38 Zentimetern gehabt haben!

Gibt es verschiedene Schneearten? Welche typischen Eigenschaften hat Schnee?

Schnee lässt sich anhand verschiedener Kriterien klassifizieren:

  • dem Alter
  • dem Feuchtigkeitsgehalt
  • der Farbe
  • der Dichte
  • sowie nach Auftreten und Ursprung.

Für unsere Informationen zum Thema Schneelastzonen sind die Kategorien Feuchtigkeitsgehalt und Dichte interessant, da sie das Gewicht des Schnees und damit die Schneelast, die er für Gartenhaus, Terrassenüberdachung und Garagen aus Holz darstellt, beeinflussen.

Schneearten unterschieden nach Feuchtigkeitsgehalt

Pulverschnee ist vergleichsweise trockener Schnee - selbst unter Druck verklebt er nicht. Er hat eine Dichte, die typischerweise unter 60 Kilogramm pro Kubikmeter (kg/m³) liegt. Anders als Pulverschnee klebt der sogenannte Feucht- oder Pappschnee unter Druck zusammen. Er ist damit der perfekte Schnee, um Schneebälle und Schneemänner daraus zu formen. Aus Fechtschnee kann man kein Wasser herauspressen. Das ist bei Nassschnee anders: Er ist sehr nass, schwer und klebt zusammen. Aus Nassschnee kann man Wasser herauspressen. Sogenannter Faulschnee ist wiederum ein Mix aus Wasser und größeren Schneebrocken, die nicht mehr gut zusammenhalten (Schneematsch).

Schneearten unterschieden nach ihrer Dichte

  • trockener, lockerer Neuschnee (Pulverschnee): Dichte 30 bis 50 Kilogramm pro Kubikmeter
  • gebundener Neuschnee: Dichte 50 bis 100 Kilogramm pro Kubikmete
  • stark gebundener Neuschnee: Dichte 100 bis 200 Kilogramm pro Kubikmeter
  • trockener Altschnee: Dichte 200 bis 400 Kilogramm pro Kubikmeter
  • feuchtnasser Altschnee: Dichte 300 bis 500 Kilogramm pro Kubikmeter
  • Schnee-Eis (trüb): Dichte 800 Kilogramm pro Kubikmeter
  • Wasser-Eis (klar): Dichte 900 Kilogramm pro Kubikmeter

Wie misst man die Schneemenge?

Die Schneemenge lässt sich mit herkömmlichen Niederschlagsmessern / Regenmessern bestimmen. Um heraus zu finden, wie mächtig eine Schneefläche ist, setzt man Schneepegel oder Schneesonden ein. Der Schneezuwachs ist auch mit Ultraschall messbar. Der Deutsche Wetterdienst lässt die Schneedeckenmächtigkeit und Neuschneehöhe jeden Tag morgens um 7:30 Uhr gesetzlicher Zeit erfassen. Dazu sollte man wissen, dass – auch wenn die Neuschneemenge alle 24 Stunden gemessen wird – sie als sogenannte Neuschneesumme mitunter auch über mehrere Tage hinweg summiert wird, z.B. als 3-Tages-Neuschneesumme.

Was ist eine Schneelast?

Die Schneelast (abgekürzt: Sk) ist die Last bzw. Auflast, mit der Schnee aufgrund seines Gewichts auf Bauwerke einwirkt – und zwar als sogenannte Flächenlast senkrecht zur Grundfläche. Die Schneelast wird als Druck auf eine Fläche in Newton pro m² angegeben. Dabei variieren die Dichte und das Gewicht des belastenden Schnees in Abhängigkeit der klimatischen Verhältnisse, insbesondere von der Temperatur. Daher ist die Höhe der Schneeschicht auf dem Dach von Gartenhaus und Garage eine Größe, die man bei Schneefall unbedingt im Auge behalten sollten. Aber Obacht: Die auf eine ebene Fläche drückende Schneelast hängt nicht allein von der Schneehöhe ab. Sie wird auch von der Schneeart beeinflusst, wobei eine Schneedecke in der Regel ein Schichtgebilde aus mehreren aufeinander liegenden Schneeschichten ist, die sich in ihrer Charakteristik wesentlich unterscheiden können.

Was sind Schneelastzonen?

Man unterteilt die Welt in Schneelastzonen. Je nach Intensität der regional typischen Schneelast sind folgende Schneelastzonen üblich:

Schneelastzone           Schneelast in kN/m2

  • Zone 1                                     >/= 0,65 (kN/m2)
  • Zone 1a                                   >/= 0,81 (kN/m2)
  • Zone 2                                     >/= 0,85 (kN/m2)
  • Zone 2a                                   >/= 1,06 (kN/m2)
  • Zone 3 (1)*                             >/= 1,10 (kN/m2)

Wie man sieht, nimmt die Intensität der Schneelasten von Zone 1 nach Zone 3 zu.

Schneelastzonenkarte(1)*= In Zone 3 können für bestimmte Lagen, darunter z.B. Oberharz, Hochlagen des Fichtelgebirges, Reit im Winkl, Obernach/Walchensee höhere Werte als nach der angegebenen Gleichung maßgebend sein.

Die Schneelast, die beim Standsicherheitsnachweis für ein Gebäude angesetzt wird, regelt die europäische Norm DIN EN 1991-1-3 „Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1-3: Allgemeine Einwirkungen – Schneelasten“ einschließlich des Nationalen Anhanges (mit Anlage bauaufsichtlich eingeführt in der Liste der Technischen Baubestimmungen). DIN EN 1991-1-3 wird bedarfsgerecht an die neusten Erkenntnisse (aktuelle Schneemessdaten) angepasst. Dies ist der Grund, warum bei älteren Gebäuden andere Schneelasten berücksichtigt worden sein können, als nach der heute gültigen Ausgabe der DIN EN 1991-1-3.

Die Schneelast lässt sich mit der DIN EN 1991-1-3 und dem zugehörigen Nationalen Anhang für jeden Standort eines Gebäudes in Abhängigkeit von der Schneelastzone und der Geländehöhe ermitteln. Die Norm berücksichtigt auch Dachneigung und -form. Die „Zuordnung der Schneelastzonen nach Verwaltungsgrenzen“ ist über die Internetseiten www.bauministerkonferenz.de oder auch www.dibt.de abzurufen.

Die Schneelast wird als Grenzwert genutzt, der die zulässige Schneelast für ein Gebäude benennt, die nicht überschritten werden soll. Eine zulässige Schneelast von 1 kN/m2 z.B. heißt, dass 100 kg Schnee – bezogen auf 1 m² Grundrissfläche des Dachs (Projektion auf die Waagerechte) – zulässig sind.

Grafik: Von Störfix – Selbst fotografiert, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=462545

Überblick über die Schneelastzonen in Österreich

Um statische Berechnungen von Schneelasten auszuführen, nutzt man die Werte der ÖNORM EN 1991-1-3 sowie der ÖNORM B 1991-1-3. Der in Europa gültige Eurocode EN 1991-1-3 gibt einen empfohlenen Rahmen für Richtwerte vor, die dann jeder EU-Staat in einem beigefügten nationalen Normen-Anhang den jeweiligen länderspezifischen Begebenheiten anpasst und entsprechend konkretisiert. In Österreich ist das die ÖNORM B 1991-1-3. Die ÖNORM teile Österreich in vier Lastzonen ein, wobei die Schneelastzonen nicht auf einer geografischen Einteilung fußen, sondern auf die langjährigen Messungen meteorologischer Daten. Die Einteilung ist jedoch nur für Orte mit Seehöhen bis 1.500 Meter anzuwenden. Berechnungswerte für Gebäude oberhalb 1.500 Meter Seehöhe seien direkt bei der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ZAMG bzw. bei den lokalen Baubehörden zu erfragen.

Schneelastkarte Österreich

Schneelastzonen in der Schweiz

In der Schweiz ist die Norm SIA 261:2003 (SN EN 1991-1-3/NA; SIA 261.003/NA:2016 SNV Norm:

Eurocode 1 – Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1-3: Allgemeine Einwirkungen, Schneelasten – Nationaler Anhang NA zu SN EN 1991-1-3:2003) anzuwenden.

Schneelastkarte Schweiz

Warum sollte man die Schneelastzone kennen, in der der eigene Garten liegt?

Die Kenntnis der Schneelastzone, in der der eigene Garten liegt, der mit einem Bauwerk wie Holzgarage, Terrassenüberdachung, Gartenhaus, oder Terrassenüberdachung bestückt werden soll, ist für die Statik desselben von Bedeutung. Selbstverständlich soll die Konstruktion unter der Schneelast nicht zusammenbrechen. Man sollte unbedingt bedenken, dass auch von den Gebäuden nahestehenden Bauwerken und Bäumen Schnee herabfallen kann, dessen Gewicht ebenso getragen werden muss. Weil sich nicht jedes Gartenhaus, Garage oder Terrassenüberdachung für jede Schneelastzone eignet, gilt: Fragen Sie beim Gartenhaus Kauf explizit nach, ob die Statik auch in Bezug auf die Schneelast Ihrer Zone ausreichend ist. Und auch wenn Sie sich heutzutage selbstständig über „Ihre“ Schneelastzone einfach, schnell und umfassend informieren und sie eigenhändig berechnen können, sollte man grundsätzlich vor Baubeginn eine zuständige Stelle zur Überprüfung der Ergebnisse befragen.

Wann muss der Schnee vom Gartenhaus Dach geräumt werden?

Achtung! Spätestens wenn die Belastungsgrenze des Gebäudes erreicht oder gar überschritten ist (maximale Schneelast der Dachkonstruktion), sollte das Dach von Terrasse, Terrassenüberdachung, Garage und Gartenhaus vom Schnee befreit werden! Das Bayerische Staatsministerium des Innern weist noch dazu darauf hin, dass die Wetterdienste über Rundfunk, Fernsehen, Internet und Presse vor starken Schneefällen und -verwehungen warnen. Ist das der Fall, ist der Eigentümer/Verfügungsberechtigte der baulichen Anlage „in der Verantwortung zu entscheiden“, ob ein Dach ggf. vorsorglich von Altschnee befreit werden muss oder ob es damit noch in der Lage ist, den angekündigten Schneezuwachs schadlos aufzunehmen.

Im Merkblatt des Ministeriums heißt es außerdem weiter, dass man mit den Schneeräum-Arbeiten ein entsprechendes Unternehmen beauftragen sollte oder bei Gemeinde oder Feuerwehr nachfragen kann, welche Firmen solche Arbeiten durchführen, falls der Hausbesitzer selbst nicht in der Lage ist, den Schnee vom Dach zu räumen.

Wie berechnet man die Schneelast?

Zum Bestimmen der Schneelast, der ein Tragwerk in der Praxis ausgesetzt sein kann, sind die lokale Klimazone und die topografische Höhe wichtig. Diese lassen auf ein zu erwartendes Niederschlagsaufkommen schließen – woraus sich wiederum die am jeweiligen Standort des Bauwerks anzusetzende charakteristische Schneelast berechnen lässt. Die Schneelast gemäß den oben vorgestellten Schneelastzonen lässt sich wie folgt berechnen:

Schneelastzone             Berechnungsformel

  • Zone 1                            Sk = 0,19+0,91*((A+140)/760)2
  • Zone 1a                          Sk = 1,25*[0,19+0,91*((A+140)/760)2]
  • Zone 2                            Sk = 0,25+1,91*((A+140)/760)2
  • Zone 2a                          Sk = 1,25*[0,25+1,91*((A+140)/760)2]
  • Zone 3 (1)*                    Sk = 0,31+2,91*((A+140)/760)2

A entspricht bei dieser Berechnung der Geländehöhe in Metern über Meeresniveau. Um die tatsächliche Schneelast auf dem Dach von Terrasse, Gartenhaus, Terrassenüberdachung oder Garage abschätzen zu können, ist es nötig, den Schichtaufbau der Schneedecke darauf zumindest erst einmal grob zu bestimmen. Dazu gräbt man die Schneedecke bis zum Untergrund auf und versucht die wesentlichen Schichten abzugrenzen. Zur Bestimmung der Auflast schlägt die Lawinenwarnzentrale im Bayerischen Landesamt für Umwelt vor, die jeweilige Schichtstärke (in m) zu ermitteln und diese dann mit der zugehörigen mittleren Dichte der Schneeart zu multiplizieren. Die einzelnen Schicht-Ergebnisse zählt man anschließend zusammen. Das Gesamtergebnis ist die Auflast pro m² der Schneedecke auf eine ebene Fläche.

Die Schneedecke auf dem Dach von Gartenhaus und Holzgarage ergibt sich von unten nach oben aus

Rechenbeispiel:

  • 5 cm Schnee-Eis,
  • darüber 50 cm gut gesetzter Altschnee,
  • darauf 30 cm pulvriger Neuschnee.

Schneeart              Mittlere Dichte (kg/m ³)                  x Schichtstärke (in m)                   = Auflast (kg/m²)

  • Neuschnee                    100                                                            x 0,30                                                          = 30
  • Altschnee trocken        300                                                            x 0,50                                                          = 150
  • Schnee-Eis                     800                                                            x 0,05                                                          = 40
  • Summe: 220

Die Auflast der hier im Beispiel angeführten Schneedecke beträgt demnach 220 kg/m². Lässt sich eine Konstruktion im Nachhinein auf eine höhere Schneelast „upgraden“? Mit dem Klimawandel gehen neue Wetterlagen einher, z.B. fallen plötzlich für die Region außergewöhnliche Niederschläge in außergewöhnlichen Mengen. Als Gartenhaus- oder Holzgaragenbesitzer fragt man sich zu recht, ob man seinen Bau angesichts solcher Wetterkapriolen auch im Nachhinein zusätzlich stabilisieren können. Bei Holzgaragen beispielsweise sind es die tragenden Pfeiler (Pfosten), die sich mit wenig Aufwand verstärken lassen. Hierzu fragt man am besten einen Fachmann, der sich mit Schneelasten auskennt.

Weiterführende nützliche Informationen: 

  1. Fenster im Gartenhaus richtig einbauen und abdichten
  2. Das richtige Fundament für Ihr Gartenhaus
  3. Ungeziefer im Gartenhaus
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